Interview: Klaus St. Rainer

Dies ist das erste Interview auf Trinkwelten. Zukünftig soll hier jede Woche ein neues Interview mit interessanten Leuten aus der Gastronmie-, Bar- oder Spirituosenszene veröffentlicht werden. Zum Einstieg gibt es ein paar Antworten auf meine Fragen von einem sehr umtriebigem Herrn der den meisten bekannt sein sollte. Klaus St. Rainer ist Bartender, Shakermaker und Mitbegründer des Münchener Barzirkels. Viel Spaß.

Vor kurzem hast Du deine eigene Bar, „Die goldene Bar“, eröffnet. Ist für dich nun ein langersehnter Traum in Erfüllung gegangen und wie hast Du die ersten Tage in deiner eigenen Bar erlebt?

Von einem langersehten Traum kann ich nicht sprechen, da ich nicht auf der Suche nach einer eigenen Bar war. Ich habe gerne im Schumanns gearbeitet. Aber dann habe ich diese Wahnsinnslocation angeboten bekommen… und dann wusste ich sofort, das muss ich machen. Einen schöneren Raum für eine Bar habe ich nur selten gesehen. Die Eröffnung war der Hammer und nur mit professioneller Hilfe von Ban Piva (Roomers, ffm), Emanuele Ingusci (Barroom, muc) und Fabian Beger (ehem. Trinkhalle, muc) konnten die knapp 800 Gäste zu ihrer Zufriedenheit abgefüllt werden.

Was war der angenehmste und was der unangenehmste Part während der Planungs- und Eröffnungsphase?

Der angenehmste Part war natürlich die Bestückung des Backbords. 28mal habe ich es umgestellt. Der unangenehmste Part ist wie immer der mit den Ämtern.

Was für einen Schwerpunkt bietet deine Cocktailkarte?

Ich habe eine kleine überschaubare Karte mit Drinks die überwiegend aus Eigenkreationen bzw. modernen Twists von Klassikern bestehen. Ein paar wenige klassische Cocktails sind verzeichnet, der Rest ist eine Selbstverständlichkeit. Nur habe ich aus Versehen vergessen Kokoscreme einzukaufen… aber bis heute hat auch noch niemand danach gefragt.

Die Goldene Bar (München)

Die Goldene Bar (München)

Du hast lange Zeit als Bartender im Schumann’s gearbeitet. 2009 hast Du den „Barzirkel München“ mitgegründet und im gleichen Jahr auch noch angefangen als „Shakermaker“ zu arbeiten. Das ganze Gastronomieumfeld scheint Dir sehr wichtig zu sein. Bleibt da noch Zeit für „szenefremde“ Hobbies und Entspannung?

Ich kenne keine szenefremden Hobbies… außer Kunst, aber die hat auch meistens mit Alkohol zu tun. Enspannend sind meine Trips durch die Welt. Zwei Tage in einer geilen Stadt mit guten Bars und vielleicht sogar einer netten Destillerie oder einem guten Weingut in der Nähe sind für mich wie für andere 2 wochen Bahamas.

In der „Josef Rainer Shakermanufaktur“ arbeitest Du mit einem Silberschmied zusammen. Wie bist Du auf die Idee gekommen eigene Shaker herzustellen und worin bestehen deine Aufgaben in der Shakermanufaktur?

Die Idee bekam ich als ich Jerry Thomas studierte. Ich war begeistert von seiner Sammlung an speziell für ihn angefertigten silbernen und goldenen Barwerkzeugen. Den Beginn wollte ich mit meinem eigenen Shaker machen. Ich habe einen befreundeten Silberschmied der in der Modebranche sehr erfolgreich ist, den habe ich mit meiner Idee infiziert. Die Tage die er in seiner Jugend selbst hinter der Bar verbracht hat, schienen in schöner Erinnerung geblieben zu sein. Die Herstellung des Prototypen dieses absolut von Hand hergestellten Voll-Sterling-Silber-Shakers hat mich einiges an Zeit und Geld gekostet. Aus den missglückten Versuchen sind sehr schöne Blumenvasen geworden. Doch nach 2 Jahren war er dann fertig. Der Hammer. Da ich zur Herstellung spezielle Werkzeuge aus eigener Tasche finanzieren musste und das Produkt so gut wurde, dass ich es mit ruhigem gewissen an Freunde und Kollegen weitergeben würde, kam ich auf die Idee mit der Shakermanufaktur bzw. auf die Idee die Shaker zum Kauf anzubieten.

Auf was für eine Wartezeit und auf welche ungefähren Kosten kann man sich einstellen wenn man bei Dir einen Silbershaker in Auftrag gibt?

Normalerweise liefern wir innerhalb 2-3 Wochen. Wenn keiner auf Lager ist, kann es gelegentlich etwas länger dauern, da an der Produktion noch ein anderer, heiss begehrter Kirchenaltarsilberschmied beteiligt ist.

Shaker "Meisterstück" - Josef Rainer Shakermanufaktur

Shaker "Meisterstück" - Josef Rainer Shakermanufaktur

Ich finde die Idee eines Barzirkels sehr sympathisch. Ich denke das viele Städte und deren Bars davon profitieren würden. Was für Erfahrungen habt ihr gemacht und was könnt ihr aus euren Erfahrungen an andere Leute weitergeben die ähnliches vorhaben?

Danke, ich finde den Barzirkel auch Klasse! Mittlerweile gibt es ja schon einige Nachfolger… sogar Team Spirit hat 1:1 unsere Idee übernommen und das ganze „Bar Circle“, bzw. Kräuterzirkel genannt. Seit dem es den Barzirkel gibt haben wir einiges bewegt in der Münchener Barszene. Alle Bars sind vernetzt, jeder hilft dem anderen, ständig interessante Workshops, Reisen und Events… kann ich jeder Stadt nur empfehlen. Gemeinsam ist man stark! Einfach mal alle Bartender, von denen man denkt sie wollen etwas mehr tun und wissen zusammentrommeln. Man fängt an zu reden… was finde ich gut an unserer lokalen Barszene und was nicht, dann hat man schon die erste Aufgabe. Rollen werden nach und nach verteilt und schon beginnt es zu wachsen. Die Ideen kommen von allein.

Was war dein zuletzt getrunkener alkoholischer Drink?

Tanqueray No. 10 Tonic und ein Glas Perrier Jouet

Goldene Bar feat. Tanqueray 10

Goldene Bar feat. Tanqueray 10

Welche 3 CDs findet man bei Dir regelmässig in deinem CD-Player?

Them Crooked Vultures, Ahmad Jamal, David Rodigan

Vielen Dank für das Interview. Gibt es noch etwas Wichtiges das Du gerne loswerden möchtest?


Informationen

Klaus St. Rainer (München)
Die Goldene Bar
Josef Rainer Shakermanufaktur
Barzirkel München

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