Interview mit Stephan Berg

Heute gibt es ein Interview mit Stephan Berg dem Mitbegründer der Bitter Truth Cocktailbitters.

2006 hast Du zusammen mit Alexander Hauck „The Bitter Truth“ gegründet. Eure ersten produzierten Bitter waren ein Orange Bitter und ein Aromatic Bitter. Habt ihr auf ein vorher definiertes Geschmackprofil hingearbeitet oder wie kann man sich eure Arbeit an einem Bitter vorstellen?

Wir hatten ziemlich genaue Vorstellungen von dem was am Schluss in der Flasche sein sollte. Aromatic und Orange Bitters waren die historisch meistverwendeten Bitters und so lag es nahe sich zuerst diesen beiden Geschmacksrichtungen zu widmen. Man darf auch nicht vergessen, dass zur damaligen Zeit die Auswahl an Bitters in Deutschland alles andere als reichhaltig war. Außerdem gab es natürlich breite Anwendungsmöglichkeiten für die beiden klassischen Formen von Cocktail Bitters. Die Rezepturen für unsere Bitters entstehen im Grunde genommen immer zuerst in unseren Köpfen. Wir haben eine Idee und formen die langsam über Wochen oder Monate und erst wenn wir glauben das richtige Geschmacksprofil erarbeitet zu haben setzen wir uns daran und machen einen ersten Ansatz. Danach gibt es dann eine Phase des Feintunings, mit anschließender Umsetzung in größerem Maßstab. Letzteres kann durchaus noch Überraschungen mit sich bringen, da sich große Ansätze anders verhalten als wenn man mal eben ein Glas zuhause ansetzt.

Vor „The Bitter Truth“ hast Du noch als Bartender gearbeitet. Plötzlich muss man sich aber nun mit ganz anderen Dingen rumschlagen. Produktion, Handel, Marketing, Rechnungswesen und andere Bereiche mit denen man als Bartender normalerweise nicht so häufig in Kontakt kommt. Waren diese Tätigkeiten für Dich Neuland? Wie hast Du die Anfangszeit erfahren?

Ich habe insgesamt 13 Jahre mehr oder weniger täglich hinter der Bar gearbeitet und mir sind in dieser Zeit natürlich auch so meine Gedanken zur eigenen Bar durch den Kopf gegangen. Im Grunde genommen wusste ich genau, das ich mich irgendwann selbstständig machen möchte und so machte ich parallel zu meinem täglichen Broterwerb ein 2 jähriges Fernstudium über Führung von Unternehmen. Dies beinhaltete tiefgehende Bereiche wie BWL, Lagerwirtschaft, Kalkulation, Investitionen usw. Es war zwar nicht immer leicht, aber ich habe dieses Studium doch recht gut abgeschlossen und somit die Basis gelegt, die für einen erfolgreichen Start und eine langfristige Perspektive für meine unternehmerischen Tätigkeiten ausgesprochen vorteilhaft waren.

Stephan Berg

Stephan Berg

Was ist für dich die schönste Phase in der Herstellung eines neuen Bitters und wie läuft diese ab?

Im Grunde genommen ist die schönste Phase die, wenn das Produkt vorgestellt wird und die Kundschaft begeistert ist und somit unsere monatelange Arbeit belohnt wird. Wenn man ein neues Produkt entwickelt befindet man sich in seiner kleinen abgeschlossenen Welt und hat seine Erwartungen und Vorstellungen an das Produkt. Diese Erwartungen müssen natürlich nicht immer 100%ig mit den Erwartungen des Marktes einhergehen. Umso erfreulicher ist es wenn das eigene Empfinden über Bedarf und Qualitätsanspruch von den Kunden bestätigt wird.

So fern scheint Dir der Handel nicht zu liegen, da Du 2008 noch einen Onlineshop für Spirituosen, die Drinkology GmbH, gegründet hast. Wie kam es dazu?

Drinkology wurde ursprünglich mit dem Ansatz geboren einen Vertriebskanal für The Bitter Truth mit einem Fokus auf breite Käuferschichten zu generieren um somit gezielt die Produkte denjenigen zugänglich zu machen die sich nicht unmittelbar im Bar/Cocktailbereich tummeln. Der Betrieb eines Online-Shops mit einem Fokus auf schwer zu beschaffende Produkte, erlaubte es zudem gezielt spezielle Produkte zu bewerben und dies kam natürlich The Bitter Truth auch zugute. Mittlerweile hat sich das Angebot zu einem der vielfältigsten in Deutschland erweitert und Drinkology geht bald ins 4. Geschäftsjahr.

Zwischenzeitlich gab es eine Kooperation mit „The Bittermen“. Ihr habt den Grapefruit und den Xocolatl Mole Bitter zusammen produziert. Ich habe gelesen das „The Bittermen“ nun wieder selber produzieren. Was passiert denn mit diesen beiden Bitters aus der TBT-Reihe?

Es ist richtig, das die Zusammenarbeit jüngst beendet wurde. Die beiden Bitters werden von uns nicht mehr produziert. Momentan ist noch etwas Ware im Markt.
Zu gegebener Zeit wird The Bitter Truth sicher mit 2 neuen Abfüllungen überraschen.

The Bitter Truth Bitters

The Bitter Truth Bitters

Pflegst Du sonst noch Kontakt mit anderen Herstellern von Cocktail Bitters? Hat man in dieser kleinen Nische eher Konkurenzdenken oder findet hier und da auch ein Austausch statt?

Wir kennen eine ganze Reihe an anderen Cocktail Bitters Herstellern persönlich. Man muss es allerdings ganz nüchtern Betrachten und bedenken das alle Produzenten am Schluss ihr Produkt verkaufen müssen um zum einen persönliche Rechnungen zu zahlen, zu essen und natürlich zu investieren. Das Konkurrenzdenken ist natürlich vorhanden, auch wenn es sicher sehr entspannt zugeht. Es handelt sich immer noch um reale Personen (mit Ausnahme von Angostura vielleicht) und nicht um gesichtslose Konzerne.

Ihr habt ja nicht nur Bitters, sondern auch andere Spirituosen und Liköre wie z.B. den Sloe Gin und einen Apricot Brandy produziert. Kommen von euch auch zukünftig noch Nicht-Bitter-Produkte? Gibt es schon Pläne?

The Bitter Truth hat sich, begründet durch den internationalen Erfolg der Cocktail Bitters, zu einer angesehenen Marke entwickelt und dies eröffnete natürlich die Möglichkeit über das Bitters Segment hinaus tätig zu werden. Zum einen sehen wir es als wenig sinnvoll an die Bitters Palette drastisch zu erweitern, zum anderen gibt es eine Vielzahl an Produkten bei denen wir unsere eigenen Vorstellungen haben und die international Potenzial haben, welches von großen Produzenten als nicht groß genug eingeschätzt wird. Bedingt durch unsere kleine Firmengröße können wir dieses Potenzial aufgreifen und mit der Integration von Spirituosen und von Likören auch unser Kerngeschäft Bitters gegen eventuelle Nachfrageeinbrüche absichern. Wir haben schließlich sehr viel Zeit, Mühe und Geld in den Aufbau der Firma gesteckt. Wir werden das Spirituosen-Segment von The Bitter Truth sicher weiter ausbauen. Wir haben gerade unser Likörsegment um einen Elderflower Liqueur erweitert, den wir zu einem sehr attraktivem Preis anbieten können. Weitere Pläne existieren durchaus, allerdings sind wir momentan doch sehr damit beschäftigt auch unsere Liköre in den USA zu lancieren und somit unsere ganze Aufmerksamkeit benötigt.

Arbeitet ihr derzeit schon an weiteren Cocktail Bitters oder habt schon ein paar Ideen?

Wir haben eine ganze Reihe an möglichen neuen Bitters bereits als Prototyp fertig. Momentan sehen wir allerdings keinen Anlass weitere Abfüllungen zu veröffentlichen. Es ist immer die Frage wieviel Bitters braucht eine Bar. Am Schluss muss sich ein Produkt doch auch etablieren und natürlich müssen sich Investitionen auch amortisieren. Mit 8 verfügbaren Bitters zählt The Bitter Truth zu den am breitest aufgestellten Produzenten weltweit-ich denke mit diesen 8 kommt jede Bar mehr als gut zurecht. Mehr ist nicht immer mehr.

Stephan Berg & Bitter Truth

Stephan Berg & Bitter Truth

Eine Cocktailrezeptur mit euren Bitters die man unbedingt ausprobieren sollte?

Ein Sazerac Cocktail mit Creole Bitters dürfte den ein oder anderen auf angenehme Weise überraschen…

Was war dein zuletzt getrunkener alkoholischer Drink?

Rotwein

Welche 3 CDs findet man bei Dir regelmässig in deinem CD-Player?

  • The Black Keys „Brother“
  • Chopin
  • Johnny Cash „Live at Folsom Prison“

Wir möchten uns bei allen Lesern, Bartendern und Cocktail-Enthusiasten für die große Unterstützung bedanken die wir in den letzten Jahren erfahren haben.
Ohnen die begeisterten Nutzer unserer Produkte wären unsere Aktivitäten zur Wiederbelebung der Cocktail Bitters wohl schnell im Sande verlaufen.
Die letzten Jahre haben gezeigt, das man auch ungewöhnliche Wege gehen und längst Vergessenes zu neuen Glanze bringen kann.

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