Lukas große Klönne (Gentleman Blog)

Du hast in Göttingen und Darlana (Schweden) Wirtschaftspädagogik studiert, hast sowohl für den Berliner Lokalsender tv.berlin als auch für das Magazin für Fußballkultur „11 Freunde“ gearbeitet. Später bist du Redaktionsleiter des Karriereportals Absolventa geworden. Nebenbei, und das ist der Hauptgrund für dieses Interview, bist Du auch noch Chefredakteur für den Gentleman-Blog. In diesem Blog geht es vor allem um Stil, Mode und moderne Knigge für den Gentleman von Welt. Hier werde ich auch gleich thematisch anknüpfen, wenn Du mein Halbwissen korrigiert und ergänzt hast.

Was war damals für Dich der Anreiz bei einem Blog mit diesem Thema mitzuwirken und was ist heute noch der Anreiz immer wieder ein Portal dieser Art zu betreuen?

Im Gentleman-Blog kann ich über die Themen schreiben, über die ich selbst gerne
lesen möchte, aber sonst in den Medien viel zu kurz kommen. In unser schnelllebigen
Welt und im noch schnelllebigeren Internet bieten wir eine Ruhezone und regen
zum Nachdenken an, vor allem in unserer Kategorie „LebensWeise“. Aber auch die
Themen Stil, Knigge und Mode kommen bei uns nicht zu kurz. Zudem sorgen wir
gelegentlich für unterhaltsame Elemente. Zu sehen, dass es für diese Mischung eine
große Leserschaft gibt, ist natürlich wunderbar.

Was macht nach deiner Auffassung einen modernen Gentleman aus und
warum sollte man bemüht sein einer zu sein?

Für die Antwort bemühe ich ein bekanntes Sprichwörter sowie ein berühmtes
Zitat. Das eine lautet „Wie man in den Wald hinein ruft, so schalt es heraus“, und
das andere „Behandle deine Mitmenschen so, wie du gerne behandelt werden
möchtest“. Das ist weder modern noch unmoder, sondern zeitlich. So wie ich
anderen Menschen entgegen trete, so werden die wahrscheinlich auch zu mir sein.
Das ist natürlich nicht berechnend gemeint. Aber ich tue mir selbst ein Gefallen und
mache mir und meinen Mitmenschen das Leben einfacher, wenn ich mich wie ein
Gentleman verhalte. Dazu zählen die Werte wie Respekt, Höflichkeit und Toleranz.
Gentleman zu sein heißt aber natürlich nicht, dass man immer und überall politisch
korrekt sein muss, schwarzer Humor Tabu wäre oder man nicht auch mal über die
Strenge schlagen darf.

Es gibt unglaublich viel Literatur zur Männermode, Knigge und Stilfragen. Welche Werke kannst Du meinen Lesern besonders ans Herz legen und warum?

Eines meiner Lieblingsbücher ist das philosophische Buch „Die Kunst kein Egoist zu sein“
von Richard David Precht. Unglaublich lehrreich und spannend. Es geht unter anderem
um Gerechtigkeit, die Entwicklung der Moral und das Zusammenleben in der Gesellschaft.
Ein gänzlich anderes Buch ist „Stilvolles verarmen“ von Alexander von Schönburg. Es
ist eine Art Leitfaden, wie es sich auch mit wenigen Mitteln angenehm leben lässt.In
Sachen Herrengarderobe ist das Buch „Der Gentleman – Handbuch der klassischen
Herrengarderobe“ von Bernhard Roetzel zu nennen. Das Standardwerk gibt es mittlerweile
auch eine Version für die Damen. Herr Roetzel schreibt übrigens gelegentlich auch Kolumnen
im Gentleman-Blog.

Ihr habt auch gelegentlich Dirk Becker, Deutschlands Fachmann für Rum, als Gastautor auf eurem Blog der über stilvolles Trinken berichtet. Welche Rolle spielen Themen wie Bars, Nachtleben und Spirituosen in der Rolle eines Gentleman, dass ihr diesem Bereich auch ein Forum in dem Gentleman-Blog gebt?

Zum einen zeigt sich erst in Gesellschaft, ob jemand ein Gentleman ist. Zum
anderen bedeutet Gentleman zu sein ja keineswegs, den irdischen Genüssen
abzuschwören. Ganz im Gegenteil. Ein Gentleman ist ein Genießer. Und dazu
gehören sicherlich auch alkoholische Drinks und anregenden Begegnungen und
Gespräche in Bars. Solange man Alkohol in Maßen und in Gesellschaft genießt,
kann er durchaus die Lebensqualität steigern. Und diese weiß der Gentleman sehr
zu schätzen.

Lukas große Klönne, Chefredakteur vom Gentleman Blog

Lukas große Klönne, Chefredakteur vom Gentleman Blog

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Du wohnst in Berlin, die Stadt in Deutschland mit der höchsten Konzentration klassischer Bars. Welche Bars würdest Du einem guten Freund empfehlen der gerade zu Besuch in Berlin ist?

Das kommt natürlich auf den jeweiligen Freund an. Daher nenne ich mal drei
verschiedene Bars. Ich empfehle das neu eröffnete „An einem Sonntag im August“
im Prenzlauer Berg. Dort kommt an rein und fühlt sich in der kiezigen, lebendigen
aber entspannten Atmosphäre sofort wohl. Wer etwas erleben will, sollte der
Weinerei an der Zionskirche in Mitte einen Besuch abstatten. Das Konzept der Bar
ist außergewöhnlich, aber es geht auf. Dort kann man jeden Abend ab 20 Uhr so
viel Wein trinken, wie man möchte, und entscheidet am Ende selbst, wie viel man
dafür zahlt. Das Publikum ist bunt gemixt, von jung bist alt und aus vielen Nationen.
Der Wein ist sicher nicht der allerbeste und das Interieur ist alles andere als modern,
aber die inneren Werte der Bar stimmen. Ein Gegenstück zur Weinerei ist die
exklusive Bar Marqués in Kreuzberg. In der Bar im Kolonialstil haben die Cocktails
ihren verdienten Preis.

Nun zwei Stilfrage die schon des Öfteren durch diverse
Bartenderkommunikationskanäle gewandert sind. Darf man als Bartender bei
der Arbeit eine Mütze, Kappe oder einen Hut tragen und sind Armbanduhren
ein Tabuthema bei der Arbeit mit Lebensmitteln?

In bin da recht emotionslos. Armbanduhren sind für einen Mann eine der wenigen
Möglichkeiten, stilvoll Schuck zu tragen, von daher habe ich Verständnis wenn
jemand nicht darauf verzichten möchte, solange es nicht gegen Hygienevorschriften
verstößt. Eine Kopfbedeckung kann unter Umständen unsympathisch wirken,
deshalb würde ich tendenziell davon abraten. Aber das eigentlich wichtige ist, dass
der Bartender sein Business versteht und der Drink mundet.

Hast Du einen Bezug zu Cocktails oder Spirituosen? Wenn ja, welche Cocktails/Spirituosen gehören zu Deinen Favoriten?

Mein Bezug zu Spirituosen ist nicht sonderlich stark. Da ich den Geschmack von
hochprozentigen Alkoholika pur nicht sonderlich mag – oder mich vielleicht erst noch
dran gewöhnen muss – bevorzuge ich Cocktails oder Longdrink, am liebsten Gin
Tonic.

Normalerweise führe ich immer eine virtuelle Cocktailbestellung durch, habe heute aber mal eine andere Bitte. Ich habe demnächst zwei Events. Zum einen habe ich Geschäftskunden mit Begleitung zu einem Essen zu mir nach Hause eingeladen und zwei Tage später kommt ein alter Kollege von mir zu Besuch mit dem ich später noch um die Häuser ziehen möchte. Was könntest Du mir als Outfit empfehlen und was stelle ich als Begrüßungsdrink bereit?

Das hängt auch ein bisschen davon ab, wie gut man sich schon kennt. Weiß
man von bestimmten Vorlieben des Gastes, sollte man diese bedienen. Für das
Geschäftsessen empfehle ich zum Essen Wein, dazu natürlich ausreichend Wasser.
Je besser der Geschäftskunde, desto besser sollte auch der Wein sein. Wenn man
nicht weiß, was der Gast gefallen würde, offene Fragen stellen, also statt „Wollen Sie
etwas trinken“ besser „Wollen sie lieber dieses oder jenes“, mit dem Hinweis, dass
es natürlich auch gerne etwas anderes sein kann“. Originell zur Begrüßung wäre an
deiner Stelle als Trinkwelten-Chef ein auch durchaus ein antialkoholischer Cocktail.
Dieser könnte insbesondere der weiblichen Begleitung gefallen. Als Outfit empfiehlt
sich gute Schuhe, Anzugshose, gebügeltes Hemd und je nach Gast ein Jacket oder
Pullover. Das A und O ist ein gepflegtes Erscheinungsbild.

Bei einem alten Kollegen kann es als Begrüßungsdrink im Sommer ein kühles Bier
sein. Auch das Outfit kann leger sein. Wenn man sich gut kennt, muss man dem
anderen ja nicht groß etwas vormachen. Was natürlich nicht heißt, dass man sich
gehen lassen sollte.

Nun kommen noch schnell meine drei Standardfragen. Was war dein zuletzt getrunkener alkoholischer Drink?

Ein Bier, neulich abends bei einer Liveübertragung in der Berliner
Fußballbar „Schwalbe“.

Welche 3 CDs findet man bei Dir regelmäßig in deinem CD-Player?

Momentan ist dort ein Album meiner Lieblingsband Radiohead drin. In Zeiten von
Youtube und Co. verstaubt mein CD-Player aber zusehends. Im Netz schaue und
höre ich immer wieder gerne die meist großartigen Songs, die Ina Müller in der
Sendung „Inas Nacht“ mit ihren Gästen live singt und performed.

Möchtest Du noch irgendwas loswerden?

Gerne dreierlei. Erstens: Weniger Casting-Shows und Pseudo-Reality-Dokus im TV.
Zweitens: Mehr auf einen bewussten und weniger verschwenderischen Umgang mit
Lebensmitteln achten. Drittens: Immer neugierig bleiben, aber nicht jedem Trend
blind hinterherlaufen.

Informationen:

Gentleman Blog

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