Chartreuse im Blut – Cocktail Nerds in Frankfurt

Ein Mal im Jahr treffen sich die Cocktailnerds vom Cocktail & Dreams Forum in einer Stadt im deutschsprachigen Raum, die über ausreichend Barkultur und Forenmitglieder verfügt und diskutieren, mixen, besuchen Bars, lernen die Stadt kennen, lernen sich untereinander kennen oder treffen sich wieder.

Dieses Jahr war nun Frankfurt an der Reihe. Perfekt, da man von den Bars viel hört und ich noch nie vorher dort gewesen bin. Anreisetag war Donnerstag der 17. Mai. In der Bahn regelmäßig die FAZ Nachrichten verfolgt, da wir uns dummerweise das Bankupy-Wochenende rausgesucht haben und Frankfurt sich schon im Vorfeld gegen eine (angebliche) Übermacht an Demonstranten organisiert hat.

Frankfurt am Main

Frankfurt am Main

Am Bahnhof angekommen … durch eine nicht endende Zahl an Polizisten bis zum Hotel gedrängelt … umgezogen … geduscht und auf mit einem Taxi in Richtung „Pinke Bar“ um die ersten Nerds zu treffen.Die Taxifahrt zog sich ein wenig in die Länge, da die ganze Frankfurter-City gesperrt war. Der Taxifahrer erzählte mir auch noch das er seit zwei Tagen nur Polizisten, aber noch nicht einen Demonstranten gesehen habe. So ging es mir auch. Überall Polizisten und selbst die Taxifahrer wurden regelmäßig zu Ausweiskontrollen rausgewunken. Trotzdem bin ich irgendwann angekommen und stand nun vor dem Klingelschild mit neonpinkem Marker. Pink Bar is calling. (Hier bitte folgenden Bericht von Herrn Meyer lesen, schöner kann man es nicht beschreiben -> http://www.jrgmyr.com/2011/05/ein-brooklyn-lamp-in-der-pinken-bar.html)

Frankfurt macht blau

Frankfurt macht blau

Nach einer Rundumbegrüßung, vielen grandiosen Cocktails (Der Brooklyn Lamp durfte natürlich nicht fehlen!), netten Leuten und Gesprächen zog es uns mit Mike von der Triobar und Alex von barfish.de auch schon in die ersten Bars. Die Rote Bar wurde uns empfohlen und so stiegen wir wieder in ein Taxi um uns durch den Frankfurter Polizeidschungel bis dorthin zu schlagen. Nach einer nicht ganz so unproblematischen Hinfahrt standen wir nun vor der Roten Bar und klingelten. Ein jüngerer Mixologe (er hatte zumindest einen weißen Kittel an) öffnete uns und versuchte uns nach einer kurzen Bemusterung den Besuch der Bar auszureden. Warum wir nicht reindürfen? So richtig wollte er damit nicht raus, freundlich war er auch nicht und wir wurden von ihm weitzergeschickt in Harrys New York Bar. Unfreundlichkeit as its best. Na gut, dann halt Harrys New York Bar. Dort wurden leider schon die Gläser poliert und der Tresen geputzt. Aber jetzt schoin ins Hotel? Auf keinen Fall. Ab ins Roomers!

Verschwommene Erinnerungen an die Roomers Bar

Verschwommene Erinnerungen an die Roomers Bar

Eine in meinen Augen traumhaft schöne Hotelbar mit leider auch entsprechenden Preisen. (Old Cuban 22€) Bevor wir uns überhaupt an den Tresen setzen konnten hatten wir auch schon die ersten überdimensionalen Pinnchen (bei uns in Münster sind die kleiner!) Chartreuse auf dem Brett stehen. Topp. Nach dem Chartreuse kamen noch ein paar Cocktails und am Morgen danach stand ein Besuch der lokalen Apotheke auf dem Programm. Roomers, ein schöner Ort zum Versacken und wie es sich später herausstellte sollte dies auch jeden Abend passieren.

Nach einer Packung Erdbeer-Elektrolyte („Denkt an die Elektrolyte!“ – Herr Lehmann) ging es wieder ins Hotelbett und das gemeinsame Treffen in einem Gasthaus zum Mittagessen (Frühstück) mußte ich um ein paar Minuten nach hinten schieben.

Der Spaziergang dorthin machte mich aber wieder fit und so konnte ich nun dort angekommen auch meine Frankfurter-Touri-ToDos abhaken: Grüne Soße und Äppelwoi! Prost – Mahlzeit!

Schnelldurchlauf:

Frankfurter Innenstadtbesichtigung (sehr schön gemacht. Danke an das Orgateam) … der Äppelwoi oder die grüne Soße machen sich bemerkbar … wieder Apotheke …  Immodium Akut wirkt wunder … Umziehen für den Abend fällt aus, da es Randale in meiner Hotelumgebung gibt … Besuch in der Gekko Bar steht an

Cocktailnerds in der Gekkos Bar

Cocktailnerds in der Gekkos Bar

Station 0.5 – Gekkos Bar

Auch hier wieder eine traumhaft schöne Bar (das gleiche Architekten-Team das auch das Roomers entworfen hat, wenn ich mich recht entsinne). Das Gekko macht extra für uns eine Stunde früher auf um uns viele nette Anekdoten über die Bar, zur Konzeption und zum Tresenkonzept zu erzählen. Dazu gibt es auch noch einen Gin & Tonic zum Einstieg (Sternzeit: 17:20 Uhr) und danach das Hildegard Knef Gedächtnis Gedeck – eiskalter Vodka und eiskalter Champagner. Da sind wir wieder … Max will mir gerade noch erzählen das er noch angeschlagen von gestern ist und heute auf keine Fall mehr so viel Alkohol trinkt als er vom Bartender unterbrochen wird und gefragt wird: „Sazerac?“ Max: „Klar!“ Konsequent geht es nun also auf die geplante Bartour.

Hildegard Knef Gedächtnis Drink

Hildegard Knef Gedächtnis Drink

Station 1 – Biancalani Bar

Optisch sagt mir der Laden nicht so zu, aber alle Drinks waren auf dem Punkt. Perfekt ausbalanziert und eine schöne und kreative Cocktailkarte. Ein herrvoragender Start in den Abend. Auch die Preise waren hier mehr als fair. Danke für den netten Start an das Barteam.

Station 2- Parlour Bar

Schon viel von gehört und anscheinend auch gerade der Geheimtipp der Frankfurter Barszene. Die neue Bar von Yared (dem Ex-Barmanager vom Roomers). Eine kleine Gasse, kein Schild, keine Werbung. So gehört sich das für eine kleine Speak-Easy-Bar. Leider haben wir viel zu wenig Zeit, da noch zwei weitere Bars auf dem Programm stehen. Hier möchte man gerne versacken und sich noch mehr Drinks machen lassen. Mein Mai Tai war sehr frei interpretiert, aber schmeckte großartig. Man schafft hier den schmalen Grad eine schöne Getränkedeko dort unterzubringen wo sie Sinn macht und sie wegzulassen wo sie stört. Das Barteam war ausgesprochen nett (ich meine hier nicht die kleine Schwester von „Scheiße“!) und die Bar war für mich sicherlich das Highlight der Tour. Ich mag einfach Bars in dieser Größenordnung die Qualität bieten ohne einen Stock im Arsch zu haben. Hier macht Barkultur Spaß und hier will man mehr als einen Drink trinken! Geht leider nicht – die nächste Bar ruft. So lange die anderen noch nicht fertig sind bestelle ich noch einen Chartreuse-Tonic hinterher (wir sind ja in Frankfurt).

Mai Tai in der Parlour Bar

Mai Tai in der Parlour Bar

Station 3 – 22nd Floor

Zwischen Polizeiabsperrungen und Kampfeinsatztrupps drängeln wir uns zum Hoteleingang um in die 22nd Floor Bar zu gelangen. Die offizielle Beschreibung lautet wie folgt: „Frankfurts Geheimtipp. Exklusive Clubatmosphäre bei Cool Jazz und Live-Entertainment mit Blick auf ‚Mainhattan‘ Be entertained, be impressed!“ Wow, ich bin gespannt. Wir betreten die Lounge und … es nervt ein Alleinunterhalter auf seiner Orgel mit fiesem Synthie-Latin. Die Lounge ist verglast und ja, die Aussicht ist schön. Leider nicht schön genug um den Rest zu ertragen. Optisch hatte die Lounge wohl ihren Höhepunkt in den frühen 90ern. Die Cocktailkarte liest sich grausam und ich bestelle in weiser Voraussicht einen Cremant. Die Cocktailbestellungen meiner Mitstreiter treffen nach einer viel zu langen Zeit ein und auch hier wird man in die frühen 90er zurück versetzt. Cooler mit Fruchtsalatdeko und Ikea-Gläsern. Dafür stammen zumindest die Cocktailpreise aus unserem Jahrzehnt. Viel Geld für wenig Qualität. Ich will hier weg. Die anderen auch. Vor allem: Nie wieder hier hin!

Station 4 – JFK Bar

Ein Highlight steht uns noch bevor: Die JFK Bar vom Barmanager Krischan Knoll. Endlich komme ich auch mal dazu Krischan zu besuchen. Die JFK Bar befindet sich in der Villa Kennedy und das Hotel ist atemberaubend. Schön und teuer. Hier werde ich wohl nie übernachten, aber immer wieder gerne einen Cocktail trinken. Krischan hat sich leider schon verabschiedet und wir sitzen nun bei Mo am Tresen. Mo ist ein hervorragender Gastgeber und liefert uns schöne Drinks. Ich erinnere mich noch an einen Cocktail mit einer Rotweinreduktion der hervorragend war und an einen grandiosen Old Cuban mit El Dorado 15. Die Preise übrigens überaschend fair für so eine Hotelklasse. Der Old Cuban lag z.B. bei teureren Zutaten deutlich unter dem Preis des Roomers. Roomers? Sagt hier jemands was gegen das Roomers? Quatsch! Auf ins Roomers!

Station X – Roomers

Max und ich wollen noch nicht nach Hause. Also wieder ins Roomers. Klar. Man freut sich uns zu sehen und wir freuen uns wieder hier zu sein.

Chartreuse … ein Pils zwischendurch – lecker … irgendwas anderes … ab ins Hotel. Ist ja nicht weit. Glaube ich. Mist – verlaufen. Taxi nehmen und nun ab ins Hotel.

Hotelduschen in Frankfurt

Hotelduschen in Frankfurt

Samstag – Tag 3

Freizeit bis zum abendlichen Treffen in der Bristol Bar. Das eigentliche Forentreffen. Ich verbringe den Tag entspannt in der Stadt, gehe auf den Markt und schaue mir Polizisten, Hubschrauber, Wasserwerfer, Panzerwagen, Pferdestaffeln, Einsatztrupps und (ja, es gibt sie doch!) Demonstranten an. Der Zug zieht friedlich durch Frankfurt und die Frankfurter sitzen entspannt 0,5 Meter neben dem Zug , trinken ihren Kaffee und schauen sich das Spektakel an.

Ärgernis - Drinks erst nach Dienstschluß

Ärgernis - Drinks erst nach Dienstschluß

Langsam heißt es wieder ins Hotel gehen und mich frisch machen. Ich bin müde. Die Tage waren anstrengend und ich lege mich noch kurz ins Bett. Mist! Verschlafen! Das Treffen hat vor einer halben Stunde begonnen. Schnell ins Bristol Hotel. Dort ist alles entspannt. Es gibt Barbecue und die Pokalfinalübertragung. Ich trinke ein Wasser und freue mich auf das Barbecue. Danke an Sascha Thieben vom Bristol Hotel der uns das hier alles ermöglicht hat. Wir haben einen eigenen Raum in dem unser Forumsbarstock und eine Theke aufgebaut ist. Olli aus Hamburg hat auch noch ein Gin & Tonic Tasting vorbereitet. Grandios. Mein persönlicher Favorit war Gin No. 3 mit Fever Tree Tonic. Sehr lecker. Entäuschend war Fentimanns Tonic. Die neue Charge schmeckt nach einer besseren Sprite, aber nicht nach Tonic Water. Noch zu erwähnen war der Test mit dem neuen Thomas Henry – Bitter Truth Gin & Tonic Bitter. Wir waren bei uns am Tisch der Meinung das er jede Gin & Tonic Variante bereichert hat und durchaus Sinn macht. Ein schönes Produkt von dem ich eigentlich Anfangs weniger erwartet habe.

Gin & Tonic Tasting mit Olli

Gin & Tonic Tasting mit Olli

Danach wurde fleissig gemixt, diskutiert und getrunken. Für mich gab es dann doch eher Cola und Wasser. Irgendwie war mir noch nicht wieder nach Cocktails. Noch nicht. Der Abend neigte sich dem Ende und so langsam wollte ich ins Hotel, da mein Zug am Folgetag um 12:30 Uhr wieder zurück nach Münster fuhr.

Barbecue, Bayern & Chelsea

Barbecue, Bayern & Chelsea

Aufräumen und Wiederherrichten des Raumes … Besteck polieren … ein letzter(?) Drink an der Bristol Bar -> Chartreuse Tonic … auf  ins Hotel!

Hmmm oder noch ins Roomers? Klar! Ab ins Roomers!

Es gab noch unglaublich gute Drinks wie z.B. Penicilin Cocktail, Last Word, habe ich schon Chartreuse erwähnt? Ja, gab es auch! und einen schönen Padovani mit der Lagavulin Distillers Edition. Sehr schön. Lustige Gäste, ein wieder mal tolles Barteam und ein würdiger Abschluss der Frankfurt Tour. Blick auf die Uhr. 06:45 Uhr. Ja so langsam sollte ich ins Hotel. Habe ich auch gemacht.

Danke an das Cocktails & Dreams Forum und das Orgateam für diese tolle Veranstaltung. Danke an alle Bars die uns aufgenommen haben und vor allem Danke an das Roomers-Team welches uns jeden Abend bestens unterhalten hat. Topp. Frankfurt ich komme wieder. Stellt den Chartreuse kalt. Ach nee … ist er ja schon!

 

 

 

 

 

 

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