Interview mit Christian Balke

Hi Christian. Du bist bei Pernod Ricard als Brand Advocate für Havana Club tätig. Erzähl doch mal
kurz deine Laufbahn und ein paar Stationen wie Du zu deinem jetzigen Job gekommen bist und was
Du vorher so gemacht hast.

Eigentlich bin ich ein völliger Quereinsteiger, der aus einer ganz anderen Branche kommt, sich aber
schon immer sehr fürs Mixen und für Spirituosen interessiert hat. Connoisseur würde man heute
wohl dazu sagen. Nach dem Abi habe ich Diplom-Sportwissenschaften studiert, eine kaufmännische
Ausbildung bei Mercedes gemacht und dann kurz im Immobilienbereich gearbeitet. Dann bin ich
langsam in Richtung Spirituosen gewandert, habe die Barschulen in München und Rostock besucht
und privat an der eigenen Bar viel gemixt. Bei Pernod Ricard habe ich als Promotionleiter für die
Marken Pernod und Havana Club angefangen und bin dann über den Bereich Events & Sponsoring in
meinem Wunschbereich gelandet: Das Thema Education und Barszene als nationaler Brand Advocate
für Havana Club zu fördern.

Was genau macht man denn eigentlich als „Brand Advocate“? Wie sieht eine typische Arbeitswoche
bei Dir aus?

Man ist ein ständiger Vertreter der Marke, das gilt sowohl beruflich als auch privat. Mit der Zeit
kennt man dein Gesicht halt fast überall, so dass auch private Besuche von Bars etc. eine Art Job sind.
Hier ist wohl auch das Wort Leidenschaft zu nennen, ansonsten ist es schwer diesen Job glaubwürdig
und professionell auszufüllen. Zu meinen Aufgaben zählen primär Schulungen, Workshops und
Tastings für die Marken Havana Club, Lillet und Beefeater Gin durchzuführen, die Auftritte auf
Messen wie BCB oder Barzone zu planen und umzusetzen und nicht zuletzt mein Baby: den jährlichen
Wettbewerb bzw. die Schulungsplattform für Bartender, die ACADEMIA DEL RON durchzuführen.

Eine typische Arbeitswoche gibt es nicht, dafür ist dieser Job zu abwechslungsreich, aber generell
kann man sagen, dass ich viel unterwegs bin. Es gibt aber natürlich auch Bürotage und Meetings z.B.
mit dem Brand Management, um dem Team in Sachen Cocktails, Drinkkultur und Barszene beratend
zur Seite zu stehen.

Christian Balke - Havana Club Brand Ambassador

Christian Balke - Havana Club Brand Advocate

Einmal im Jahr organisiert ihr die ACADEMIA DEL RON, eine Competition bei der allerdings auch viele
geladene Referenten Wissen zu diversen Themen vermitteln. Die ACADEMIA DEL RON gibt es nun ja
seit 3 Jahren. Was hat Euch dazu bewogen eine Veranstaltung in dieser Art ins Leben zu rufen?

Reine Mixwettbewerbe gab es ja schon genug. Wir wollten eine anspruchsvolle Schulungsplattform
in Kombination mit einem Wettbewerb auf höchstem Niveau schaffen. Im Fokus steht der 360 Grad
Bartender. Das bedeutet, dass wir auch Dinge abseits des klassischen Mixens vermitteln wollen,
wie z.B. mit Workshops von Andrew Nicholls „How to be a good host“ und „Körpersprache an der
Bar“ oder „Barwirtschaftslehre“ von Kent Steinbach. Natürlich fordern wir eine Menge von den
Teilnehmern, denn es gilt den jeweils besten Barkeeper Deutschlands zu finden. Das Ziel ist ganz
klar: Wir wollen Niveau und Anforderungen hoch halten, denn nur so kann das Niveau der gesamten
Barszene stetig weiter steigen. Ein persönlicher Austausch unter Gleichgesinnten war ein weiteres
Argument für eine mehrtägige Veranstaltung.

Dieses Jahr zog die ACADEMIA DEL RON von Köln erstmalig nach Berlin. Was war der
ausschlaggebende Punkt für diese Entscheidung und seid ihr rückblickend mit der diesjährigen
Veranstaltung und dem Umzug nach Berlin zufrieden?

Die zwei Jahre in Köln waren schwer zu toppen und auch die Location, die alte Villa Köln direkt am
Rhein, war perfekt geeignet und mehr als repräsentativ. Es gab aber immer wieder Gerüchte, dass
die Villa umgebaut oder anderweitig genutzt werden sollte, was uns die Entscheidung für Berlin
etwas erleichtert hat. Zudem kann man wohl sagen, dass das Herz der Barszene in Berlin schlägt und
man dort eine riesige Auswahl an tollen Locations vorfindet. Veränderungen bringen neue Inspiration
und das merken wir jetzt ganz deutlich.

Ihr habt euch dieses Jahr das erste Mal dafür entschieden auch Blogger (www.nomyblog.de und
whatadrink.blogspot.com) zu der ACADEMIA DEL RON einzuladen, die über die Veranstaltung
berichten. Wie kamt Ihr auf die Idee die Bloggingszene mit einzubeziehen?

Soziale Netzwerke, Fachmagazine und Blogs haben sich zu wichtigen und auch professionellen
Medien entwickelt, so dass wir auf keinen Fall darauf verzichten würden. Gerade die Blogger
kommen meistens aus der Szene und kennen sich aus, haben ein großes Netzwerk und können so
authentisch von einer Veranstaltung wie der ACADEMIA DEL RON berichten.

Academia del Ron 2012 in Berlin

Academia del Ron 2012 in Berlin

Alle zwei Jahre fliegt der Gewinner der ACADEMIA DEL RON nach Kuba, um dort Deutschland in einer
internationalen Competition von Havana Club zu vertreten. Mir ist aufgefallen, dass man von der
ACADEMIA DEL RON zwar in Deutschland viel mitbekommt, allerdings so gut wie nichts von dem
internationalen Mainevent. Wie genau läuft denn die Veranstaltung auf Kuba ab und gibt es ein paar
Anekdoten der letzten Veranstaltung zu erzählen? (Wie wäre es denn mal mit einem kleinen Kuba
Tagebuch der diesjährigen Veranstaltung für trinkwelten.de)

Beim Tagebuch schreiben müsste ich zu oft Mojito und Zigarre beiseite legen. Aber mal im Ernst: Ich
denke, dass man dieses Jahr mehr vom Grand Prix hören wird, zumal es dieses Mal auch eine eigene
Facebook Seite gibt, auf der man die Highlights verfolgen kann. Gleichzeitig haben wir auch eine
Begleitung aus dem Pressebereich dabei, so dass im Nachhinein darüber berichtet wird. Der Grand
Prix an sich ist sehr professionell und anspruchsvoll aufgezogen. Auch hier gibt es Workshops mit
internationalen Referenten, atemberaubende Locations und ein extrem starkes Feld an Barkeepern
aus aller Welt.

Es müssen zwei Drinks gemixt werden, es gibt Zusatzaufgaben und im Finale eine Gastschicht in einer
der berühmten Bars in Havanna. Dort zu gewinnen ist kein Zuckerschlecken, aber soviel kann ich
sagen: Es lohnt sich. Tony C. aus London (69 Colebrooke) ist nachts mal mit Barstuff, Rum, Limette
und Zucker in die Baustelle des Sloppy Joes eingestiegen um sagen zu können: „ Ich habe einen
Daiquiri im Sloppy Joes gemixt“…was er auch gemacht hat…der Grand Prix rockt definitiv.

In Deiner Position reist Du ja auch sehr viel herum. Was war Deine beeindruckenste Reise und
warum?

Sicherlich waren der Grand Prix in Havanna vor zwei Jahren und das UK Rumfest in London coole
Trips. Am meisten beeindruckt mich aber immer noch mit welcher Hingabe und Leidenschaft viele
Barkeeper ihre Bars betreiben und ihren Job machen, so dass ich in vielen kleinen und großen Bars in
vielen großen und kleinen Städten immer wieder beeindruckende Momente erlebe.

In den letzten Jahren ist in der deutschen Barlandschaft sehr viel passiert. Wagen wir doch mal
einen Blick in die Glaskugel. Was meinst Du was die großen Trends der nächsten zwei Jahre werden
können?

Ich denke, dass Rum noch sehr stark kommen wird, noch mehr als bisher, dass hoffentlich etwas
mehr Spaß in die Bars zurückkommt und die Leute sich nicht zu ernst nehmen.

Das Thema Foodpairing werden wir sicherlich noch wiedersehen und die internationale Vernetzung,
d.h. Austausch / Guestbartending werden eine Rolle spielen.

Ansonsten hoffe ich auf meine Mission: dass ich irgendwann in jeder deutschen Bar einen
vernünftigen kubanischen Mojito trinken kann.

Auch von Dir hätte ich gerne heute eine virtuelle Cocktailbestellung von drei Cocktails (mit Rezept).
Als kleine Herausforderung an Dich hätte ich gerne einen Aperitiv Drink, einen Rum Cocktail und
einen deiner persönlichen Lieblingsdrinks. allerdings darfst Du in zwei der drei Cocktails kein Produkt von Pernod Ricard verwenden.

Gin & Tonic

Negron

5 cl Havana Club Añejo 3 Años
2 cl Limette
2 cl Runny Honey
4-5 Blätter Thai Basilikum
Shake, Finestrain, Tumbler, fresh Ice Rocks

Continental Sour

6 cl Bourbon
3 cl Zitrone
2 cl Zucker
Eiweiss
Shake, Strain, Tumbler, fresh Ice Rocks
Float mit Portwein

Welche sind Deine Lieblingsläden in Berlin, in denen man dich regelmäßig antrifft?

Regelmäßig kann man das nicht nennen, aber wenn ich mal in Berlin bin gehe gerne in die Booze Bar,
ins Amano oder natürlich ins Buck & Breck.

Nun kommen noch schnell die drei Standardfragen.
Was war dein zuletzt getrunkener alkoholischer Drink?

Pils.

Auf welche drei Musikalben könntest Du nicht verzichten?

Beastie Boys – Check your Head
The Clash – The Clash
Metallica – Black Album

Möchtest Du noch irgendwas loswerden?

Cheers!

Christian, vielen Dank für das Interview.

Dito.

Christian Balke – Brand Ambassador Havana Club

Links:

Academia del Ron

Havana Club

 

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