Thomas „Zack“ Stingl (Die Blume von Hawaii)

1) Ahoi Zack. Bevor wir in die Einzelheiten gehen wäre es super wenn Du ein paar Worte über Dich erzählen kannst. Wie bist Du in die exotischen Trinkwelten gerutscht? Was hast Du vorher alles so gemacht? Dunkle Geheimnisse?

 

Ich hatte mit 15 mein Debüt als Discjokey, so kam ich durch meine Besuche auf Plattenbörsen und Second Hand Shops an die ersten hawaiianischen Vinyls. Die allererste war 101 Strings – Hawaiian Paradise. Sehr prägend, wie sich später herausstellte. Als ich vor Jahren eine Single aus der Operette „Die Blume von Hawaii“ erwarb, wurde mir schlagartig klar, dass meine Bar so heißen würde, lange bevor ich mir überhaupt vorstellen konnte, jemals eine Bar zu betreiben. Eigentlich wollte ich ein Coverbook über Exotica-Schallplatten machen, aber die Verhandlungen mit den Verlagen war zäh und unbefriedigend. Taschen lehnte das Projekt ab, ein Berliner Verlag legte ein derart unseriöses Geschäftsgebaren an den Tag, dass ich schließlich die Lust verlor. Ich denke, ich werde es irgendwann mal selbst verlegen, ungeachtet der Aufmerksamkeit anderer. Sachen die man liebt macht man halt und wenn es nur für einen selber ist. Ansonsten habe ich in meinem früheren Leben alles mögliche gemacht. Von Autoschrauber, Fahrer von Geldtransporten, Radio-DJ, Schauspieler bis Werbemodel war alles dabei. Bis zu meiner „Barlehre“. Dort fielen mir die Cocktailbücher von Trader Vic, Don The Beachcomber und später Jeff Berry in die Hand. Das änderte alles und ich fing an, hunderte von Cocktails durchzuprobieren.


2) Du hast 2014 die Tiki Bar „Die Blume von Hawaii“ in Nürnberg eröffnet und kredenzt dort stilgerecht alte und neue Klassiker neben exotischen Eigenkompositionen. Wie war die anfängliche Resonanz und wie war die Entwicklung bis heute?

 

Der Auftakt war phänomenal. Zur Eröffnung kamen wohl mehr als dreihundert Gäste. Man muss bedenken, dass wir in der Blume etwa 24 Plätze haben. Es ging gut weiter, aber wir hatten dann doch sehr zu kämpfen, wegen einer kompletten Sperrung der Straße zwecks Bauarbeiten. Diese dauerte geschlagene 5 Monate. Dann noch der warme Sommer und die WM. Aber seitdem geht es nur bergauf und wir sind zuversichtlich, dass es geraume Zeit so weitergeht.

 

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3) Obwohl man nahezu jedes Jahr hört, dass Tiki der neue Trend werden könnte und viele Leute auch wieder den Spaßfaktor in der Bar suchen, gibt es doch erstaunlich wenig ambitionierte Tiki Bars in Deutschland. Fallen dir empfehlenswerte Tiki-Etablissement  in Deutschland ein, oder besteht Kontakt zu anderen Exotic-Enthusiasten?

 

Das ist der Knackpunkt: der Trend! So etwas langweilt mich derart. Ich mache Tiki, weil ich es lebe. Seit Jahren schlafe ich mit dem Gedanken über eine Tikibar ein und wache damit auf. Für mich gab es keinen Ausweg mehr. Ich musste einen Laden machen, sonst wäre ich vermutlich verrückt geworden. Aus rein pekuniären Gründen, dieses wundervolle Thema auszuschlachten, ist für mich der reine Frevel. Natürlich habe ich auch zu zwei, drei Leuten Kontakt, aber es gibt wohl doch zuwenig fanatische Tiki-Liebhaber.

 

4) Um das Thema Tiki hat sich ja schon seit je her eine sehr aktive Szene gebildet, die nicht nur aus Barleuten besteht. Was bedeutet Tiki für Dich und was macht es jenseits der Drinks noch aus?

 

Ich bin, dank Facebook, gut vernetzt mit der US-Tikiszene, da bleibt man auf dem laufenden. Aber man lernt auch hier großartige Leute kennen, etwa meinen hochgeschätzten Carver Klemens Wegehaupt, hier aus dem fränkischen Umland, oder den sympathischen Betreiber des Rock-A-Hula in Würzburg.

5) Nun kommt eine „Einsame-Insel-Frage“: (Bietet sich bei Tiki ja schließlich an.) Wenn Du 6 Sachen aus deiner Bar mit auf eine einsame Insel nehmen dürftest, welche Sachen wären das?

 

Es handelt sich nicht gerade um Sachen, aber am liebsten würde ich meine Mitarbeiter mitnehmen, die teilweise gar wie Familienmitglieder für mich sind. Sie ünterstützen meine teilweise wahrhafte Liebe zu Tiki und der Blume. Aber ansonsten brauche ich nur Eines: Einen Container voll Rum und ein paar Flaschen Gin dürften auch dabei sein.

 

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6) Zwei der sicherlich bekanntesten Tiki-Größen sind Trader Vic (Erfinder des Mai Tai) und Don The Beachcomber (Erfinder des Zombie). Was für einen Einfluß haben Sie auf Dich und deine Bar? Wie ist bei Dir das Verhältnis von modernen zu klassischen Tiki Drinks?

 

Ich liebe sie beide und irgendwie sind die auch Teil meiner selbst, als hätten sie sich in mein Gehirn implantiert. Ich schätze Don The Beachcomber ganz außerordentlich, hat er das habe Zeug doch erfunden. Bei Victor Bergeron gefällt mir der Sinn für die Show und das Geschäft. Auch nicht unwichtig, wenn man beständig sein Auskommen mit einer Bar haben möchte. Auf meiner Karte ist das Verhältnis klassisch/modern etwa 70 zu 30, wobei die modernen Drinks fast ausschließlich von uns selbst kreiert sind. Ich muss zugeben, dass mir in vielen der modernen Interpretationen von Tikidrinks das ursprüngliche fehlt. Viele Zutaten und Firlefanz, die diese Drinks nicht sehr von anderen modernen Cocktails unterscheidet. Ich gebe offen zu, ich kann mit Salbei, Rosmarin oder irgendwelchen Espumas, etc nicht viel anfangen. Mich persönlich reizt, die aus heutiger Sicht, eingeschränkte Palette an Zutaten ungemein, weil ich herausfand, das es immer noch unzählige und spannende Kombinationen gibt.

7) Du bist ja auch sehr fleissig was Eigenkreationen angeht. Woran machst Du für dich fest, was ein Tiki Drink ist und was nicht?

 

Das habe ich ja schon fast beantwortet. In erster Linie ist für mich ein Tikidrink, einer, der in 1930-70ern in Tikibars serviert wurde. Ansonsten kann eigentlich jeder von sich behaupten, er habe einen Tikidrink kreiert. Mich interessieren die Zutaten, dass Mischungsverhältnis und ob der Geist jener Ära spürbar ist. Also eine sehr subjektive Sache.

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8) Viele Tiki Fans sind auch Sammler. (Mugs, Musik, Rum etc.) Wo hat bei Dir der Sammelwahn zugeschlagen und was fehlt Dir unbedingt noch in der Sammlung?

 

Den Sammelwahn habe ich gut in den Griff bekommen. Die Mugs, die mir wichtig waren habe ich beinahe alle. Klar gibt’s da noch mehr, aber ich jage da nicht mehr. Musik habe ich jede Menge und auch keinen gesteigerten bedarf mehr. Rum ist immer willkommen und gerne hätte ich noch vielen, großartigen Künstlern noch geschnitzte Tikis. Aber das wird sich fügen.

9)Natürlich möchte ich auch bei Dir gerne eine virtuelle Cocktailbestellung aufgeben. Ich hätte gerne (die Rezepte) drei deiner aktuellen Lieblingsdrinks, die die Bandbreite von Tiki widerspiegeln und je ein passendes Musikstück, welches ich zum Trinken hören kann.

Bali Hai

6 cl Hanalei House Mix
3 cl leichter, kubanischer Rum
6 cl Champagner

Hanalei House Mix

120 ml Guavensaft
120 ml Orangensaft
120 ml Ananassaft
120 ml Orgeat
30 ml Zucker
30 ml Maracujasaft
355 ml Zitronensaft

Deko: ein Ananasviertel

Dazu: Bali H’ai – Gloria Lynne

Old Fashioned Voo Doo

3 cl Milch
3 cl Apricot Brandy
6 cl Soursop
3 cl kubanischer Rum

Auf cubes schütteln und umgießen.

Mit Muskat und Kokosraspeln bestreuen.

Dazu: Voodoo – Cyril Diaz and his Orchestra

Saturn

3 cl Zitronensaft
3 cl Maracujasirup
1,5 cl Orgeat
1,5 Falernum
7 cl Gin

Crushed ice

Blend until smooth.

Deko: ein Zweig Minze

Dazu: Ames Brothers – No Moon at all

10) Was wünscht Du Dir für die Zukunft?

 

Ich wünsche mir konkret, dass es so weitergeht und wurde mich freuen, wenn es in jeder größeren Stadt eine Blume gäbe. Ein Ort zum verweilen, totaler Eskapismus. Ein Wohnzimmer, in dem immer köstliche Getränke serviert werden und Gäste wie Freunde behandelt werden. Und nen halbjährigen Südseetrip. Das wär fein.

Nun kommen noch schnell die drei Standardfragen.

11) Was war dein zuletzt getrunkener alkoholischer Drink?

Pink Mai Tai

12) Auf welche drei Musikalben könntest Du nicht verzichten?

 

Yma Sumac – Mambo

Robert Mitchum – Calypso is like so

Ted Auletta – Exotica

13) Möchtest Du noch irgendwas loswerden?

 

Ich möchte allen, die unentschlossen und unsicher sind sagen: Sucht euer eigenes Ding. Etwas das ihr von ganzem Herzen lebt. Etwas wofür ihr ohne Einschränkungen eintreten möchtet. Versucht darin so gut zu werden, wie es Euch möglich ist und setzt Eure Pläne ohne Kompromisse um. Es geht hier nicht um Kleinigkeiten. Kreiiert eigene, kleine, künstliche Welt und zieht es durch. Das Konzept, so es denn nach langer Überlegung gut erscheint, keinesfalls verwässern. Leute, die euch freundlich gemeinte Ratschläge geben, werdet ihr immer erleben. Hörts euch an, vielleicht ist sogar was Nützliches dabei und dann macht weiter wie gehabt. Und wem es dann doch nicht funktionieren sollte, könnt ihr immer noch erhobenen Hauptes durchs Leben gehen, denn ihr habt euren Traum verwirklicht und nicht den Traum von zig anderen, die glauben sagen zu müssen, wie die es gemacht hätten. Basta!

Zack, vielen Dank für das Interview.

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